Dünen
Einzigartige Vielfältigkeit
Kennzeichen der Dünen ist die erstaunliche Vielfältigkeit an Pflanzen durch die vielen Minibiotope innerhalb eines Dünenstreifens: hohe und trockene Dünengipfel gegenüber niedrigen und feuchten Senken, Stellen, die voll dem Wind ausgesetzt sind oder die mehr windgeschützt liegen, Landstreifen mit Salz in der Luft nah am Meer und welche ohne 'salt-spray' weiter weg vom Meer, sonnige oder mehr schattenreiche Stellen, dazu noch sämtliche Mischformen. Überall gibt es wieder andere Pflanzen- oder Tierarten, die sich nur an 'ihrem' Platz wohl fühlen. Obwohl die Dünen nur etwas über ein Prozent der niederländischen Bodenfläche ausmachen, wachsen dort nicht weniger als 850 der 1400 der in den Niederlanden vorkommenden höheren Pflanzenarten und 140 der 190 niederländischen Brutvogelarten haben hier ihr Brutrevier. Für Moose, Flechten, Schmetterlinge und Käfer gilt ähnliches: das Dünengebiet ist eins der reichsten Ökosysteme der Niederlande.
Entstehung
Die 'jungen' Dünen, die wir an der Küste vorfinden, sind seit dem Mittelalter entstanden. Sie bildeten sich als kleine Sanddünen auf dem Strand und gingen als 'Wanderdünen' ostwärts über ältere Dünen hinweg, angetrieben von dem vorherrschenden Westwind. Diese Dünen werden durch den kräftigen Wind und die übermäßige Sandzufuhr manchmal sehr hoch und steil, wie man z.B. bei Schoorl sehen kann: an der Ostseite erreichen sie manchmal Höhen von über 50 Meter.
Dynamiek
Naturgemäß verändern die Dünen sich ständig, was in der Vergangenheit zu großen Problemen führte. Ganze Dörfer verschwanden unter dem Sand und wurden von den Bewohnern verlassen.Um dieses Problem zu bewältigen und da die Dünen eine wichtige Rolle spielten in der Küstenschutz, hat man sich viel Mühe gemacht, die Dünen zu befestigen. Unmittelbar am Meer entlang wurde und wird dazu Strandhafer angepflanzt. Etwas mehr landeinwärts wurden Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts viele Bäume gepflanzt. Vor allem die kerzengeraden Schwarzkiefern waren sehr beliebt, da sie in den Dünen gut wachsen und geeignet sind als Nutzholz. Im Nationalpark De Kennemerduinen gibt er mehr Pflanzungen von Waldkiefern, die eine unregelmäßigere Form haben. Heuzutage werden die Wälder hier und da 'malend mit der Axt' reizvoller gemacht: es werden breitere Lichtungen geschaffen, bei den Fällarbeiten läßt man einige ältere Bäume stehen und es werden auch andere Baumarten gepflanzt, wodurch mehr Abwechselung entsteht. An manchen Stellen, wo es zu rechtfertigen ist, wurde der Wald gerodet und haben die Dünen ihre natürliche Dynamik zurückerhalten. Auf der Höhe von Schoorl wurde in den Dünen sogar eine Meeresbucht gegraben, wo alle Elemente freies Spiel haben und wo ein einzigartiges Ökosystem entsteht.
Trinkwassergewinnung
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfüllen die Dünen eine wichtige Funktion für die Trinkwassergewinnung. Wegen der schlechten Qualität des damaligen Trinkwassers fing die Stadt Amsterdam damit an, die Dünen westlich von Haarlem für die Wasserversorgung zu nutzen. Später folgten viele andere Städte, vor allem nachdem sich heraustellte, daß die Amsterdammer kaum von der Choleraseuche von 1866 betroffen wurden, während anderwärtig 17% derjenigen, die Wasser von der Pumpe, vom Brunnen oder von der Quelle tranken , angesteckt wurden. Der Wasserentzug aus den Dünen nahm dermaßen zu, daß die Süßwasservorräte im Boden langsam doch gewiß ausgingen. Um die Versorgung von gutem Trinkwasser zu garantieren, wird seit 1940 Flußwasser, das bereits von den schädlichsten Substanzen befreit wurde, zur Filterung in die Dünen geführt. Z.B. nördlich von Den Haag sehen Sie entlang der Route seichte Seen mit Wasser, das hier gefiltert wird. Nachteil dieser Arbeitsweise ist, das die Schadstoffe zurückbleiben und den Boden mit Nährstoffen versehen, wodurch der Reichtum an Pflanzenarten verringert.
Tiefeninfiltration
Zur Beseitigung dieser Nachteile wird bei der Aufbereitung von Trinkwasser immer häufiger eine neue Methode angewendet: Tiefeninfiltration. Das Wasser wird in Brunnen in einer Tiefe von 50 bis 70 Meter geführt und in einer gewissen Entfernung wird es von Brunnen in gleicher Tiefe wieder hochgepumpt. Hierdurch wird die Vegetation an der Oberfläche nicht länger verstört und außerdem kann auf diese Weise das Wasser auch außerhalb der Dünen gereinigt werden. Diese Methode wird bereits im Noordhollands Duinreservaat (bei Castricum) und in den Naturreservaten Amsterdamse Waterleidingduinen und Meijendel bei Den Haag angewandt. Momentan werden neue Projekte ausgeführt in- und außerhalb der Dünen zwischen Katwijk und Den Haag. Wenn diese umweltfreundliche Methode der Trinkwasseraufbereitung Allgemeingut wird, können die wertvollen feuchten Senken revitalisiert werden.



